Anselm

Der Kontrast zu seiner bayerischen Heimat kann für den 22-jährigen Anselm nur extrem sein, als er 1965 vom Tegernsee auf die Nordseeinsel Langeoog zieht. Der Anlass ist die Liebe.

Geboren wird Anselm im Jahr 1943 als Sohn des bekannten Malers Anselm Prester in Tegernsee – die Vornamen werden in der Künstlerfamilie traditionsgemäß immer vom Vater auf den Sohn übertragen – und erhält seine erste künstlerische Ausbildung vom Vater. Nach dessen frühem Tod im Jahr 1959 übernimmt der 16-jährige junge Mann das Atelier und die Geschäfte. Künstlerisch weitergebildet wird er von dem der Wiener Schule angehörigen Erich Stockhammer in Jenbach nahe Innsbruck. Ab 1962 erhält er von englischen und amerikanischen Kunden Aufträge für romantische Landschaften, die er im Stil seines Vaters malen soll. Anselm hat aber das Bedürfnis, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Diese Gelegenheit bietet sich auf der Nordseeinsel, wo ihn nach Jahren zunehmend die Farbe des Meeres und das Wechselspiel des Lichtes fesseln. Die Natur stellt für ihn das einzige Maß aller Dinge dar. Anselm malt und zeichnet gegenständlich; er denkt und fühlt nicht abstrakt. Ehrlichkeit ist ihm der wichtigste Aspekt für seine Bilder: „Wenn ein Bild ehrlich ist, das heißt, von Herzen kommt und der Seele entspringt, dann ist es auch gut.“

Durch die Hand Anselms entstehen eine Reihe interessanter Portraits, u.a. der Pantomimen Jean Claude Barroult, Marcel Marceau, Samy Molcho und des Malers Oskar Kokoschka. Ebenfalls sehr wichtig ist für ihn die Begegnung mit José Andreo Rivel, in der Öffentlichkeit bekannt als Charlie Rivel. Der weltberühmte Clown ist Ende der siebziger Jahre auf Tournee und Anselm darf ihn eine Woche lang portraitieren. Das Ergebnis fällt so gelungen aus, dass der Künstler Charlie das Werk des Künstlers Anselm käuflich erwirbt.

1978 beginnt Anselm, Malunterricht für Kinder und Erwachsene zu geben; seine „Ferienakademie“ erfreut sich großer Beliebtheit. Heute ist Anselm, so nennen ihn alle und so signiert er seine Kunstwerke, eine feste Größe auf der Insel Langeoog. Er engagiert sich auf zahlreichen Gebieten und bringt sich mit neuen Ideen und Visionen in das gesellschaftliche Leben ein. Soziales Engagement und die Idee des Dienens sind Teil seiner Persönlichkeit. Man kann behaupten, dass Anselm im Laufe der Jahrzehnte auf Langeoog nicht nur zum „Inselmaler“, sondern zu einer Institution geworden ist.